Ein IMDS-Eintrag ist ein digitales Materialdatenblatt, das Automobilzulieferer für jedes Bauteil oder Material erstellen und über das International Material Data System (IMDS) an den Fahrzeughersteller übermitteln. Das System dient dazu, die vollständige Materialzusammensetzung eines Fahrzeugs transparent zu machen und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen, insbesondere der EU-Altfahrzeugrichtlinie (ELV-Richtlinie 2000/53/EG), nachzuweisen. Die folgenden Abschnitte klären die wichtigsten Fragen rund um Pflichten, Inhalte, Prozesse und Sonderfälle wie Klebebänder und Stanzteile.
Wer ist verpflichtet, IMDS-Einträge zu erstellen?
Grundsätzlich sind alle Unternehmen verpflichtet, IMDS-Einträge zu erstellen, die Bauteile, Halbzeuge oder Materialien direkt oder indirekt an einen Automobilhersteller (OEM) liefern. Das betrifft Tier-1-Zulieferer ebenso wie Tier-2- und Tier-3-Lieferanten, sofern deren Materialien in ein Fahrzeug eingehen. Die IMDS-Pflicht ergibt sich nicht aus einem einzelnen Gesetz, sondern aus den Einkaufsbedingungen der OEMs, die IMDS-Daten vertraglich vorschreiben.
In der Praxis bedeutet das: Wer ein neues Bauteil oder einen neuen Werkstoff in die Lieferkette einbringt, muss diesen im IMDS anlegen und zur Genehmigung einreichen. Bestehende Einträge müssen aktualisiert werden, sobald sich die Materialzusammensetzung ändert. Auch Unternehmen, die keine eigenen Produkte entwickeln, sondern Handelswaren weiterverkaufen, kommen nicht automatisch um IMDS-Pflichten herum, wenn der OEM dies im Liefervertrag verankert hat.
Welche Daten müssen in einem IMDS-Eintrag enthalten sein?
Ein IMDS-Eintrag muss die vollständige Materialzusammensetzung eines Bauteils auf Substanzebene abbilden. Dazu gehören alle enthaltenen Werkstoffe mit ihren chemischen Bezeichnungen, CAS-Nummern und Gewichtsanteilen. Besonders relevant sind Angaben zu Substanzen auf der GADSL-Liste (Global Automotive Declarable Substance List), die deklarations- oder verbotspflichtige Stoffe definiert.
Konkret enthält ein vollständiger IMDS-Datensatz folgende Elemente:
- Bauteilbezeichnung und interne Artikelnummer
- Materialbaum mit allen Komponenten und Unterbaugruppen
- Chemische Substanzen je Komponente mit CAS-Nummer und Gewichtsanteil in Prozent
- Klassifizierung nach GADSL (deklarationspflichtig, verboten oder uneingeschränkt verwendbar)
- Angaben zur Recyclingfähigkeit und Verwertbarkeit
- Anwendungsbereich und Verbauort im Fahrzeug
Fehlen Substanzen oder sind Gewichtsanteile unvollständig, wird der Eintrag vom Empfänger abgelehnt. Die Qualität der Eingangsdaten hängt also direkt von der Detailtiefe der Materialdokumentation des Lieferanten ab.
Wie läuft der IMDS-Einreichungsprozess in der Praxis ab?
Der IMDS-Einreichungsprozess beginnt mit der Registrierung im IMDS-Portal unter imds.cc, das von Odette International und AIAG gemeinsam betrieben wird. Nach der Registrierung legt der Lieferant einen neuen Materialdatensatz an, befüllt den Materialbaum und sendet den fertigen Eintrag an den Empfänger, in der Regel den direkten Abnehmer in der Lieferkette.
Der Ablauf in der Praxis folgt typischerweise diesen Schritten:
- Registrierung im IMDS-System und Einrichtung eines Unternehmenskontos
- Anlegen des Materialdatenblatts auf Basis der Stückliste und Materialdatenblätter der eigenen Lieferanten
- Prüfung aller Substanzen gegen die aktuelle GADSL-Liste
- Einreichen des Datensatzes an den Empfänger (Kunde oder OEM)
- Rückmeldung des Empfängers: Annahme, Ablehnung oder Rückfrage
- Bei Ablehnung: Korrektur und erneute Einreichung
Viele Unternehmen nutzen interne Vorlagen oder spezialisierte Softwarelösungen, um den Prozess zu standardisieren. Gerade bei komplexen Baugruppen mit vielen Einzelkomponenten ist eine systematische Datenpflege unerlässlich, da sich Änderungen an einem Unterbauteil auf alle übergeordneten Einträge auswirken können.
Was passiert, wenn ein IMDS-Eintrag fehlt oder abgelehnt wird?
Fehlt ein IMDS-Eintrag oder wird er vom Empfänger abgelehnt, kann das direkte Konsequenzen für die Lieferfähigkeit haben. OEMs und Tier-1-Zulieferer machen die Freigabe neuer Teile häufig von einem genehmigten IMDS-Datensatz abhängig. Ohne gültigen Eintrag erfolgt keine Serienfreigabe, was im schlimmsten Fall Produktionsverzögerungen verursacht.
Ablehnungsgründe sind häufig fehlende CAS-Nummern, unvollständige Gewichtsangaben, nicht deklarierte GADSL-Substanzen oder formale Fehler im Materialbaum. Nach einer Ablehnung erhält der Einreicher eine Begründung und muss den Datensatz korrigieren und erneut einreichen. Da dieser Prozess Zeit kostet, empfiehlt sich eine interne Qualitätsprüfung vor der ersten Einreichung.
Wiederholte Fehler oder systematisch fehlende IMDS-Daten können das Lieferantenbewertungssystem eines OEMs negativ beeinflussen und langfristig die Geschäftsbeziehung belasten.
Welche Rolle spielen Klebebänder und Stanzteile im IMDS?
Klebebänder und Formstanzteile sind im IMDS wie jedes andere Bauteil zu behandeln: Jede Komponente, die im Fahrzeug verbleibt, benötigt einen eigenen Materialdatensatz. Das gilt für einseitige und doppelseitige Klebebänder, Schaumstoffträger, Acrylatklebstoffe und gestanzte Formteile gleichermaßen.
Die Herausforderung bei Klebebändern liegt in der Materialtiefe: Ein Klebeband besteht aus mehreren Schichten (Träger, Primer, Klebstoff, Liner), die jeweils eigene Substanzen enthalten. Alle diese Schichten müssen im IMDS vollständig aufgeschlüsselt werden. Besonders relevant sind dabei Substanzen aus der GADSL-Liste, die in Klebstoffen oder Additiven vorkommen können, etwa bestimmte Weichmacher oder Lösungsmittelreste.
Für Stanzteile aus Klebebandverbunden gilt dasselbe Prinzip: Auch hier zählt die Materialzusammensetzung jeder Einzelschicht. Technische Beratung und Materialentwicklung durch den Hersteller können dabei helfen, die notwendigen Substanzinformationen vollständig zu dokumentieren und IMDS-konforme Datensätze zu erstellen.
Wie unterscheidet sich IMDS von anderen Compliance-Systemen wie REACH oder RoHS?
IMDS, REACH und RoHS verfolgen verwandte, aber unterschiedliche Ziele. IMDS ist ein branchenspezifisches Datenerfassungssystem der Automobilindustrie zur Dokumentation von Fahrzeugmaterialien über die gesamte Lieferkette. REACH ist eine EU-Chemikalienverordnung (EG Nr. 1907/2006), die die Registrierung, Bewertung und Zulassung chemischer Stoffe regelt. RoHS (Richtlinie 2011/65/EU) beschränkt bestimmte gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten.
Die wesentlichen Unterschiede lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Anwendungsbereich: IMDS gilt spezifisch für die Automobilindustrie; REACH gilt branchenübergreifend für Chemikalien; RoHS gilt für Elektro- und Elektronikprodukte.
- Zweck: IMDS dokumentiert Materialzusammensetzungen für die Recyclingplanung; REACH reguliert den Umgang mit gefährlichen Stoffen; RoHS verbietet bestimmte Stoffe in Produkten.
- Pflicht: IMDS-Pflicht entsteht vertraglich durch OEM-Anforderungen; REACH und RoHS sind gesetzlich verbindlich.
- Datenbasis: IMDS nutzt die GADSL-Liste als Referenz; REACH arbeitet mit der SVHC-Kandidatenliste; RoHS definiert eigene Grenzwertlisten.
In der Praxis überschneiden sich die Systeme: Substanzen, die unter REACH als besonders besorgniserregend eingestuft sind (SVHC), tauchen häufig auch auf der GADSL-Liste auf und müssen damit sowohl in der REACH-Kommunikation als auch im IMDS-Eintrag deklariert werden. Wer seine Klebebänder IMDS-konform dokumentiert, profitiert davon, wenn die zugrunde liegenden Materialdaten bereits für REACH-Zwecke aufbereitet wurden.
Wie Buday bei IMDS-Anforderungen unterstützt
Für Unternehmen, die Klebebänder oder Formstanzteile in der Automobilindustrie einsetzen, ist die IMDS-Dokumentation ein wiederkehrender Aufwand, der vollständige Substanzinformationen auf Schichtebene erfordert. Buday GmbH unterstützt ihre Kunden dabei konkret:
- Bereitstellung vollständiger Materialdokumentationen auf Substanzebene für alle gelieferten Klebebänder und Stanzteile
- Prüfung der Materialien auf GADSL-relevante Substanzen im firmeneigenen Labor
- Unterstützung bei der Erstellung von IMDS-Datensätzen durch technische Ansprechpartner
- Entwicklung von Alternativen, wenn bestimmte Substanzen in bestehenden Produkten deklarationspflichtig oder problematisch sind
Wer konkrete Fragen zur IMDS-Dokumentation seiner Klebeband- oder Stanzteillieferungen hat, kann direkt Kontakt aufnehmen und einen technischen Ansprechpartner anfragen.
Ähnliche Artikel
- Worin unterscheiden sich Silikon- und Acrylatklebstoffe bei Hochtemperaturbändern?
- Was sind Formstanzteile aus Klebeband?
- Wann ersetzt eine Klebeverbindung Schrauben oder Nieten?
- Welche Klebelösungen kommen im Bau von Elektrofahrzeugen zum Einsatz?
- Welche Rolle spielen spezielle Acrylatkleber bei der Haftung auf niederenergetischen Oberflächen?
