Die EN 45545 ist die europäische Brandschutznorm für Schienenfahrzeuge und legt verbindliche Anforderungen an das Brandverhalten aller eingesetzten Materialien fest, einschließlich Klebebändern und Selbstklebetechnologien. Sie gilt für Neufahrzeuge sowie Umbauten im gesamten europäischen Eisenbahnraum. Die folgenden Abschnitte beantworten die häufigsten Fragen zur Norm und ihrer praktischen Bedeutung für den Einsatz von Klebebändern in Schienenfahrzeugen.
Welche Anforderungen stellt EN 45545 an Materialien in Schienenfahrzeugen?
EN 45545 schreibt vor, dass alle in Schienenfahrzeugen verbauten Materialien definierte Grenzwerte für Brennbarkeit, Rauchentwicklung und Toxizität einhalten müssen. Die Norm bewertet Materialien anhand standardisierter Prüfverfahren und ordnet sie Gefahrenstufen zu, die den zulässigen Einsatzbereich im Fahrzeug bestimmen. Hersteller und Zulieferer müssen die Konformität ihrer Materialien durch akkreditierte Prüfberichte nachweisen.
Die Norm unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Fahrzeugkategorien, etwa U-Bahnen, Regionalzügen und Hochgeschwindigkeitszügen, sowie zwischen unterschiedlichen Einbauorten im Fahrzeug. Ein Material, das im Außenbereich eines Regionalzugs zulässig ist, muss nicht zwingend für den Innenraum eines Hochgeschwindigkeitszugs geeignet sein. Entscheidend sind drei Brandschutzeigenschaften:
- Brennbarkeit und Flammenausbreitung (geprüft nach ISO 5658-2)
- Rauchentwicklung und Rauchdichte (geprüft nach ISO 5659-2)
- Toxizität der Brandgase (geprüft nach NF X70-100)
Für Klebebänder bedeutet das konkret: Nicht nur das Trägermaterial, sondern auch die Klebemasse selbst muss geprüft werden. Ein Klebeband wird als Systemverbund bewertet, da beide Komponenten im Brandfall zur Rauchentwicklung und Toxizität beitragen können.
Wie werden Klebebänder nach EN 45545 klassifiziert und geprüft?
Klebebänder werden nach EN 45545 als Ganzes geprüft, also als Verbund aus Träger und Klebemasse. Die Klassifizierung erfolgt auf Basis der Messergebnisse aus den vorgeschriebenen Brandprüfverfahren und weist dem Produkt eine Anforderungsstufe (Requirement Set, kurz R) sowie eine Gefahrenstufe (Hazard Level, HL) zu.
Die Prüfung umfasst mehrere Schritte. Zunächst wird das Klebeband unter definierten Bedingungen einer Flamme ausgesetzt, um die Flammenausbreitung zu messen. Anschließend wird die Rauchdichte in einer geschlossenen Kammer bestimmt. Abschließend analysiert ein Laborverfahren die bei der Verbrennung entstehenden Gase auf toxische Bestandteile wie Kohlenmonoxid, Cyanwasserstoff und Halogenwasserstoffe.
Alle Prüfungen müssen von einem akkreditierten Prüfinstitut durchgeführt werden. Das Ergebnis ist ein Prüfbericht, der die erreichten Messwerte dokumentiert und die Konformität mit den Anforderungen der jeweiligen Gefahrenstufe bestätigt. Ohne diesen Nachweis darf ein Klebeband in sicherheitsrelevanten Bereichen von Schienenfahrzeugen nicht eingesetzt werden.
Was bedeuten die Gefahrenstufen HL1, HL2 und HL3 für den Einsatz von Klebebändern?
EN 45545 definiert drei Gefahrenstufen (Hazard Levels): HL1 stellt die geringsten Anforderungen, HL3 die strengsten. Welche Stufe ein Klebeband erfüllen muss, hängt von der Fahrzeugkategorie und dem Einbauort ab. HL3 ist in der Regel für Fahrzeuge mit hohem Fahrgastaufkommen und eingeschränkten Fluchtwegen erforderlich, etwa U-Bahnen oder Tunnelstreckenfahrzeuge.
Konkret bedeutet das für die Produktauswahl:
- HL1 gilt für Fahrzeuge mit guter Zugänglichkeit und niedrigem Risikopotenzial, zum Beispiel bestimmte Güterwagen oder Außenbereiche von Regionalzügen.
- HL2 gilt für die meisten Personenzüge im Regional- und Fernverkehr sowie für Innenraumbereiche mit moderatem Risiko.
- HL3 gilt für Hochrisikobereiche wie U-Bahnen, Fahrzeuge in Tunnelstrecken und Hochgeschwindigkeitszüge, wo Evakuierungen schwierig sind.
Für Klebebänder, die in Innenraumverkleidungen, Kabelbefestigungen oder Dichtungsanwendungen eingesetzt werden, ist häufig mindestens HL2 erforderlich. Wer ein Klebeband für eine bestimmte Fahrzeugkategorie beschafft, muss die zugehörige Anforderungstabelle der Norm konsultieren, um die korrekte Gefahrenstufe zu ermitteln.
Welche Klebebandtypen erfüllen die EN 45545-Anforderungen?
Klebebänder, die EN 45545 erfüllen, zeichnen sich durch halogenfreie oder speziell formulierte Klebemassen sowie flammhemmende Trägermaterialien aus. Gängige Typen sind Acrylatklebebänder mit halogenfreier Klebemasse, PET-basierte Klebebänder mit flammhemmender Ausrüstung sowie Schaumklebebänder auf Polyethylenbasis mit entsprechender Prüfung.
Halogenhaltige Materialien werden in der Bahnindustrie zunehmend vermieden, da sie im Brandfall toxische Gase freisetzen und damit die Anforderungen an die Toxizitätsbewertung nach NF X70-100 kaum erfüllen können. Moderne EN 45545-konforme Klebebänder setzen daher auf halogenfrei formulierte Systeme.
Für die Praxis relevant sind vor allem folgende Typen:
- Doppelseitige Acrylatklebebänder für Strukturverklebungen im Innenraum
- Einseitige PET-Klebebänder für Kabelbündelung und Abdeckungen
- PE-Schaumklebebänder für Dämpfungs- und Dichtungsanwendungen
- Antirutsch-Klebebänder für Böden und Trittstufen
Entscheidend ist, dass der Prüfbericht das Klebeband in der tatsächlich eingesetzten Konfiguration (Dicke, Klebemasse, Träger) ausweist. Eine Prüfung für eine andere Variante desselben Produkts ist nicht übertragbar.
Was passiert, wenn Klebebänder in Schienenfahrzeugen nicht normkonform sind?
Der Einsatz nicht normkonformer Klebebänder in Schienenfahrzeugen kann zur Verweigerung der Betriebszulassung führen, da die EN 45545 in Europa als harmonisierte Norm gilt und von Zulassungsbehörden wie dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) oder der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA) gefordert wird. Im schlimmsten Fall müssen bereits verbaute Materialien ausgetauscht werden.
Für Fahrzeughersteller und Zulieferer entstehen dadurch erhebliche Risiken: Nacharbeiten an bereits fertiggestellten Fahrzeugen sind kosten- und zeitintensiv. Verzögerungen in der Zulassung können Vertragsstrafen nach sich ziehen. Darüber hinaus tragen Hersteller im Schadensfall eine Mitverantwortung, wenn nachgewiesen wird, dass nicht geprüfte Materialien zur Brandausbreitung beigetragen haben.
Die Anforderung gilt nicht nur für Neufahrzeuge. Auch bei Modernisierungen, Umbauten oder dem Austausch von Komponenten müssen die verwendeten Materialien die aktuell gültige Fassung der Norm erfüllen. Die Verantwortung für den Nachweis liegt beim Fahrzeughersteller oder dem beauftragten Zulieferer.
Wie wählt man das richtige EN 45545-konforme Klebeband für ein Bahnprojekt aus?
Die Auswahl eines EN 45545-konformen Klebebands beginnt mit der Bestimmung der Fahrzeugkategorie und des genauen Einbauorts, da diese Parameter die erforderliche Gefahrenstufe festlegen. Erst wenn HL-Stufe und Anforderungsset bekannt sind, lässt sich prüfen, ob ein Produkt die notwendigen Prüfnachweise mitbringt.
Folgende Schritte strukturieren die Auswahl:
- Fahrzeugkategorie und Betriebsart bestimmen (z.B. U-Bahn, Regionalzug, Hochgeschwindigkeit)
- Einbauort im Fahrzeug definieren (Innenraum, Außenbereich, Kabelbereiche)
- Erforderliche Gefahrenstufe (HL1, HL2 oder HL3) aus der Normtabelle ableiten
- Prüfberichte des Klebebands auf Konformität mit der ermittelten Gefahrenstufe prüfen
- Sicherstellen, dass Prüfbericht und tatsächliche Produktkonfiguration übereinstimmen
Technische Parameter wie Temperaturbeständigkeit, Chemikalienbeständigkeit oder mechanische Belastbarkeit kommen erst in einem zweiten Schritt zum Tragen, wenn die Brandschutzkonformität grundsätzlich gesichert ist. Klebebänder für industrielle Anwendungen müssen in der Bahnindustrie immer zuerst die Brandschutzhürde nehmen, bevor weitere Leistungsmerkmale bewertet werden.
Wie Buday bei EN 45545-konformen Klebebändern unterstützt
Buday entwickelt und liefert Klebebänder, die speziell für den Einsatz in Schienenfahrzeugen geprüft und zugelassen sind. Das firmeneigene Labor ermöglicht die Analyse von Materialien unter realen Einsatzbedingungen, bevor eine externe Prüfung beim akkreditierten Institut erfolgt. Für Bahnprojekte bietet Buday konkret:
- Klebebänder mit EN 45545-Prüfnachweis für verschiedene Gefahrenstufen
- Antirutsch-Klebebänder der Buday-Nonslip-Linie, geprüft und zugelassen nach EN 45545
- Technische Beratung zur Auswahl der richtigen Gefahrenstufe für den jeweiligen Einbauort
- Unterstützung bei der Dokumentation und dem Nachweis der Normkonformität gegenüber Zulassungsbehörden
Wer für ein Bahnprojekt das passende Klebeband mit gesichertem Brandschutznachweis sucht, findet auf der Seite zu den Leistungen von Buday einen Überblick über das verfügbare Portfolio. Für projektspezifische Anfragen steht das Buday-Team über die Kontaktseite zur Verfügung.
